Saisonauftakt auf kroatischer Trauminsel: Hvar - PERLE IN DER ADRIA Ziel unserer Frühjahrs-Radtour war in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal die kroatische Adriaküste, genauer gesagt Hvar. Die 68 km lange Insel ist ein Juwel unter den weit mehr als 1000 kroatischen Mittelmeer-Inseln: Kein Fleckchen im ganzen Land hat mehr Sonnenstunden pro Jahr - 2700 sind es genau. Kein Wunder, dass die Insel wegen des auch im Winter milden Klimas und der üppigen Tropenvegetation auch das kroatische Madeira genannt wird. Und erst kürzlich kam Hvar im namhaften amerikanischen Reisemagazin "Conde Nest Traveller" auf Platz zehn unter insgesamt 250 weltweit getesteten Inseln. In den malerischen Ortschaften auf Hvar scheint die die Zeit stehen geblieben zu sein: Überall Gässchen, die so eng sind, dass die Ortschaften schon fast zwangsweise autofrei bleiben. Dann die alten Steinhäuser mit Steinplatten gedeckt. Und in den Häfen hocken die Fischer in ihren Booten und flicken Ihre Netze. Die Bauern in der Umgebung arbeiten in ihren Weinbergen und Olivenhainen - auch das war schon immer so und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Wir nennen das Tradition. Und es ist auch Tradition, dass auf der Insel ausgezeichnete, preisgekrönte Weiß- und Rotweine hergestellt werden. Der Hauptort der Insel heißt ebenfalls Hvar und hat viel zu bieten: einen der größten Renaissanceplätze mit dem bereits 1612 gegründeten ältesten Stadttheater Europas, eine Renaissance-Kathedrale mit einem originellen Glockenturm, eine reiche Schatzkammer mit Bildern alter Meister. Hvar ist zudem auch heute noch Sitz eines Erzbischofs. Die älteste Siedlung auf Hvar ist Stari Grad, das antike Pharaos. Entstanden durch die Kolonialisierung der Griechen im Jahre 385 v. Chr. , ist es heute ein bekannter Urlaubsort und Anlegehafen für die großen Autofähren der Reederei Jadrolinija, die auch unsere Gruppe sicher von Rijeka weiter in den Süden schipperte. Ausgangspunkt unserer Touren war, nur wenige Kilometer von Stari Grad entfernt, das kleine pittoreske Fischerdorf Vrboska. Es liegt an einer geschützten, tief in das Land eingeschnittenen, von Pinien umgebenen Meeresbucht. Die Steinhäuser auf beiden Seiten der Bucht sind durch mehrere kleine steinerne Brücken miteinander verbunden und geben so dem Ort einen romantischen Anstrich, der abends und nachts durch die Beleuchtung eine Menge Postkartenmotive bietet. Unsere Gruppe, gut 30 Mountainbiker; sorgte schon deshalb für einiges Aufsehen in dem verschlafenen Nest. Daneben scheint es für die Einheimischen nicht wirklich nachvollziehbar zu sein, welchen Sinn es macht, mit teilweise seltsam aussehenden Fahrrädern den Bergrücken hoch und runterzufahren, der Hvar längs durchzieht. Vor allem, weil man doch extra mehrere Tunnels durch die Berge gebaut hat. Trotzdem wurden wir äußerst nett empfangen. Unsere Privatunterkünfte waren durchweg einfache, aber komplett ausgestattete Appartements und sehr sauber. Ausserdem war es selbstverständlich, dass es für unsere Räder abgeschlossenen Räume gab. Die Rahmenbedingungen für einen perfekten Start in die Freiluftsaison waren also mehr als erfüllt. Mountainbiken auf Hvar hat eine Bandbreite, die die meisten von uns so noch nie erlebt hatten. Kilometerfressen auf Asphalt, erklimmen von Bergpässen, schottern auf Trails mit kindskopfgroßen Steinen am Meer entlang oder lustvolles Cruisen durch wunderbar duftende Lavendelfelder wechseln sich innerhalb nur weniger Kilometer ab. Durch das ganzjährig milde Klima und die Hitze im Sommer ist das Hinterland der Insel stark waldbrandgefährdet. Deshalb werden zur Erschließung des bereits angesprochenen Bergrückens immer mehr Forststrassen für eventuelle Löscheinsätze gebaut. Im Sommer kann es durchaus passieren, dass man, gerade in entlegeneren Gebieten, auf Leute trifft, die dort als Brandwächter eingesetzt sind. Diese neuen, wie auch die alten Forststrassen sind ideale Mountainbike-Wege. Trifft man beim Biken auf eine Baukolonne, fährt selbstverständlich der Bagger zur Seite bis alle Radfahrer die Engstelle passiert haben. Eine Kleinigkeit nur, aber in Deutschland schwer vorstellbar. Durch die abwechslungsreiche Streckenführung der Strassen und Pfade kommen 1000-2000 Höhenmeter pro Tour schnell zusammen, obwohl der Bergrücken nur wenig mehr als 600 m aus dem Meer ragt. Bei der Planung von Touren abseits der Hauptstrßen ist allerdings eine gewisse Ortskenntnis erforderlich, da die Beschilderung, wenn überhaupt vorhanden, mit unzureichend noch freundlich umschrieben ist. Auch die aktuelle Wetterlage sollte berücksichtigt werden, die sich - wie überall an der Küste - sehr schnell ändern kann. Eine wichtige Rolle im Urlaub, zumal für Sportler, ist das Thema Verpflegung . Auch hier ist Vrboska ein idealer Ausgangspunkt. Das von uns bevorzugte Restaurant "Trica Gardellin" direkt am Hafen versorgte uns mit als Pizza und Pasta getarnten Kohlehydraten sowie mit täglich frisch gefangenem Fisch. Daneben kommen selbstverständlich auch die regionalen Fleischspezialitäten Rasnijci, Cevapcici, pder Plijeskavica auf den Tisch. Ein einheimisches Bier vom Fass als isotonischer Durstlöscher regeneriert die Elektrolyte und krönt eine erfolgreiche Tour. Für Genussmenschen lohnt es sich auch die zahlreichen Eiscafés (Tipp: zwei der Besten befinden sich direkt gegenüber im Zentrum von Jelsa) auszuprobieren. Nicht nur der erstklassige Cappuccino und die verschiedenen Eisspezialitäten, sondern besonders die preisgünstige selbstgemachte Zitronenlimonade sind für durstige Biker erste Wahl. Auch Nicht-Radfahrern bietet die Insel einen abwechslungsreichen Aufenthalt. Es gibt unzählige einsame Badebuchten rund um die Insel. Da der Strand meist sehr flach abfällt, ist das Wasser schon nach wenigen Sonnentagen angenehm warm und auch für Kinder geeignet. Wer allerdings auf Sandstrand hofft, wird enttäuscht sein. Die Strände in Kroatien bestehen ausnahmslos aus feinem Kies, sind dadurch aber sehr sauber. Ein weiteres Plus dieses Urlaubsgebietes: Man kann es gut mit dem Auto erreichen. Von München aus über Salzburg, Villach, Karawankentunnel, Ljubljana nach Rijeka und mit der Fähre (etwa 14 Stunden über Nacht) weiter bis Stari Grad (von uns bevorzugte Route) oder von Ljubljana über Zagreb nach Split und von dort mit der Schnellfähre (zwei Stunden) nach Stari Grad. Fazit: Saisonauftakt mit hohem Suchtpotential - zumindest bis die großen Touristenströme nach Hvar kommen. Dann ist's vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit. Aber was kommt geht auch wieder... Text: Stefan Helmling Bilder: Harald Welsch, Stefan Helmling Veröffentlicht in "RADtouren - Das Radreisemagazin" Ausgabe 04/02
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