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2. Jahrestagung 1999

2. AGC® Club Jahrestagung September 1999 in Dresden

Das vergoldete Reiterstandbild August des Starken war ein willkommenes Symbol für die 1999er Jahrestagung des AGC® Clubs, denn dass die Galvanotechnik eine starke und stabile Sache auch für komplexe Restaurationen ist, wissen Insider schon längst. Um zwei zukunftsträchtige Indikationsgebiete auf breiterer Basis bekannt zu machen, standen im progressiven Ambiente des Dresdener art´otels und der benachbarten Kunsthalle die Galvano-Brückentechnik und der implantatgetragene Zahnersatz mit Galvanostrukturen im Blickpunkt. Mit erneut mehr als 150 restaurativ im High-end-Bereich engagierten Zahnärzten und Zahntechnikern im Auditorium hat sich diese Veranstaltung wohl endgültig als "das" Galvanoforum etabliert.

Brückentechniken
Wenn ein Restaurationssystem derart erfolgreich für Einzelzahnrestaurationen eingesetzt werden kann wie die Galvanokeramik, so liegt der Wunsch nach der umfassenderen Einsatzmöglichkeit auch für Brücken auf der Hand. Galvanobrücken lassen sich zur Zeit als Kombination galvanisch abgeschiedener Feingold-Kappen mit konventionell gefertigten Zwischengliedern herstellen. Grundlegende Versuche zu verschiedenen Zwischengliedarten und Fügetechniken dieser Zwischenglieder zu den AGC® Kappen wurden schon von ZTM Gerold Klaus 1988 durchgeführt.
Die Vorstandsvorsitzende des AGC® Clubs, Dr. Gabriele Diedrichs, stellte die aktuell verbreiteten Gerüstdesigns und Fügetechniken der Pontics zum Galvanokäppchen (Eingalvanisieren, Sintern mit Keramikkleber oder Goldpaste, Angießen und Laserschweißen) in einer Übersicht sowie zahntechnisch und klinisch step-by-step vor. Auf der Basis eines Konsensus-Workshops des Clubs im Frühjahr 1999 wurden folgende Empfehlungen herausgearbeitet: Bei der zahntechnischen Konstruktion ist eine okklusale Abstützung des aus einer hochkarätigen Legierung gefertigten Brückengliedes auf den Kappen notwendig, ringförmige Umfassungen der Galvanos sind jedoch verzichtbar. Die Dimensionierung der approximalen Connectorfläche muss mindestens 3x3 mm betragen und die Gesamtkonstruktion sollte allseitig von Keramik ummantelt sein. Zahnärztlicherseits ist für eine zueinander parallele, anatomische Präparation mit deutlicher Hohlkehle oder Stufe mit abgerundeter Innenkante Sorge zu tragen. Neben allen Vorteilen, die galvanokeramische Einzelkronen bieten (Biokompatibilität, Ästhetik, Passgenauigkeit, konventionelles Zementieren), eröffnet sich die Möglichkeit der Einzelanprobe der Brückenanker mit einem Splint und damit die Erzielung eines spannungsfreien, passiven Sitzes. Derzeit ist die Galvanobrücke als kurzspannige Brücke im Front- und Seitenzahnbereich indiziert. Als mittelfristige Perspektiven zeigte die Düsseldorfer Oberärztin die Ausweitung des Indikationsspektrums auf bis zu vier Brückenglieder im Frontzahnbereich, die Ergebnisse kontrollierter klinischer Studien, den Verzicht auf den Einsatz der Gusstechnik bei der Fertigung der Zwischenglieder und die Fokussierung auf eine möglichst einfache und wirtschaftliche Fügetechnik auf.

Sinterbrücke nach Gadau
Eine ganz aktuelle Spielart der Brückentechnik wurde von Vorstandsmitglied ZTM Curd Gadau vorgestellt und durch den anschließenden Vortrag des renommierten Freiburger Werkstoffkundlers Prof. Dr. Heinrich Kappert mit Prüfergebnissen abgesichert. Gadau verwendet U- oder O-förmige Auflagen des Zwischengliedes und die Sintertechnik mit Keradec-Goldpaste. Für dieses Design konnte Kappert hohe Bruchfestigkeiten knapp unter 2000 N nachweisen; erste Defektbildungen traten in Bereichen statischer Belastungen von 1200 bis 1500 N auf. Zu Gadaus Verfahren liegen zwar keine klinischen Langzeiterfahrungen vor, dennoch darf es schon jetzt wegen der einfachen Fügetechnik und den guten mechanischen Eigenschaften als aussichtsreich eingestuft werden.
Zu konventionellen metallkeramischen Verblendbrücken und innovativen, ebenfalls besonders biokompatiblen und ästhetischen Technologien wie der Zirkoniumoxid-Vollkeramik stellt die AGC® Galvano-Brückentechnik nach Kapperts Ergebnissen eine ernsthafte Konkurrenz dar.

Implantatsuprastrukturen
Eine zukunftsträchtige Weiterentwicklung der bewährten AGC® Galvanotechnik stellt der Einsatz des Galvanoformings für Implantatsuprastrukturen dar. ZTM Michael Kramprich begeisterte mit einer zahntechnisch brillanten Lösung für einen außergewöhnlichen Zehn-Implantate-Fall mit zwei risikobehafteten Eckzahnpfeilern und einem endständigen Implantat mit unsicherer Prognose. Die Wandlung von der einfachen festsitzenden Konstruktion zur bedingt abnehmbaren Galvano-Doppelkronenarbeit gelang durch eine ausgefuchste Komposition aus 157 Einzelteilen.
Unter dem Motto "AGC® meets Empress" adaptierte ZTM Curd Gadau die ursprünglich von Dr. Paul Weigl angegebene Technik vollkeramischer Primärteile mit Galvanosekundärteilen. Er empfiehlt die 1°-Fräsung mit zirkulärer Stufe bei einer Mindestschichtstärke der Empress-Innenteleskope von 0,4 mm und verblendet die vestibulär reduzierte Tertiärstruktur mottogetreu mit Empress-3/4-Kronen. Als Hilfsmittel zur adhäsiven Befestigung der Primärteile fertigt Gadau seinen Zahnärzten Zementierungsschienen.
Es muss jedoch nicht immer Keramik sein! Dass sich viele Regeln des Schichtungsaufbaus und der Oberflächengestaltung von der Keramik- auch auf die Composite-Verblendtechnik übertragen lassen, demonstrierte eindrucksvoll ZTM Volker Brosch, der aktuelle Preisträger des "Goldenen Parallelometers". Sein Vortrag zeigte den Weg von der enttäuschenden zur täuschenden Composite-Verblendung mit vielen wertvollen praktischen Tips auf.
Better in practice nennt PD Dr. Walter Lückerath sein innovatives Konzept für die systematisierte und deshalb angenehm vereinfachte Implantatprothetik. Er favorisiert individuelle Mesostrukturen und läßt festsitzende oder abnehmbare AGC® Galvanosekundärteile fertigen. Diese Galvanokappen können als individuelle Transferkappen, als Provisoriengerüste, als Schablonenverankerung bei der Kieferrelationsbestimmung und nicht zuletzt als Basis für eine qualitativ hochwertige und äußerst passgenaue prothetische Versorgung dienen.

SupraCaps®
Mit vom Implantatsystem unabhängigen Galvanokappen stehen alle Optionen in der Implantatprothetik zur Verfügung: verschraubbar, zementierbar oder teleskopierend. Die sogenannten SupraCaps® sind in drei Größen konfektioniert lieferbar für präfabrizierte Gold-Titan-Pfosten zu verschiedenen Implantatsystemen, oder können individuell für alle Abutments galvanisch geformt werden. Dr. Reinhold Rathmer stellte das System vor und zeigte an Fallbeispielen auch die Möglichkeiten der horizontalen Verschraubung keramisch verblendeter SupraCaps® Einzelkronen und der gegossenen Überkonstruktionen für Brücken oder Verblockungen auf.
Hervorragende ästhetische Ergebnisse mit vorwiegend zementierten galvanokeramischen Einzelzahnrestaurationen präsentierte der spanische Implantatprothetiker Dr. Eduardo Anitua. Er erklärte das Zeitalter der Titan-Suprastrukturen als beendet und hob gleichsam einfache und sehr passgenaue Konstruktionsmöglichkeit mit Au-Ti-Pfosten und SupraCaps® hervor. Mit seinen abschließenden Video-Impressionen zu Walzerklängen von Richard Strauss setzte er der Tagung einen beschwingten Schlussakzent.

Uwe Diedrichs

Ihr Ansprechpartner
Dr. Gabriele Diedrichs
Oberärztin / Heinrich-Heine-Universität

diedrichs@med.-uni-duesseldorf.de
 
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