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3. Jahrestagung 2000

3.Jahrestagung: Galvano im Zaubertal


Doppelkronen auf natürlichen Zähnen und Implantaten
September 2000 auf Schloß Elmau:

Unsere nunmehr dritte Jahrestagung fand bekanntlich in den bayerischen Alpen auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen statt. 140 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, in diesem nicht alltäglichen Rahmen das anspruchsvolle Fortbildungsprogramm zu erleben. Im erhabenen Ambiente des Schlosses Elmau bei Garmisch-Partenkirchen ging es in diesem Jahr um Galvano-Doppelkronen auf natürlichen Zähnen und Implantaten.

Nach der Mitgliederversammlung am Freitagnachmittag gelang der Einstieg in die Symbiose aus Fortbildung und Erholung durch eine zünftige Wanderung zum nahen Alpengut - dort ging es hoch her und nicht immer nur um Zähne! Zum Auftakt des Fortbildungsevents am Samstag begrüßte die AGC® Club Vorstandsvorsitzende, Frau Dr. Gabriele Diedrichs, die Teilnehmer und speziell den weitest gereisten Tagungsgast, Herrn Isao Nakajima aus Osaka, der in Japan ein AGC® Club-Pendant initiieren möchte. Die Oberärztin aus der Westdeutschen Kieferklinik Düsseldorf stieg anschließend mit ihrem Vortrag über Galvano-Doppelkronen auf gegossenen und galvanisierten Primärteilen ins Hauptthema ein. Sie stellte die konzeptionellen, werkstoffbedingten und verfahrenstechnischen Vorteile einer Galvano-Doppelkrone gegenüber konventioneller Doppelkronentechnik dar.

Der aktuelle Stand bei der Herstellung der Primärteile sieht wie folgt aus: Die Primärteile werden konventionell aus für die Frästechnik geeigneten Dentallegierungen oder galvanisch aus reinem Gold oder aus Keramik hergestellt. Dabei kommen Galvanokronen sowohl auf natürlichen Zähnen als auch auf künstlichen Pfeilern in der Implantatprothetik zur Anwendung.

Bei der galvanoplastischen Herstellung der Primärteile verwies Frau Dr. Diedrichs auf die Bedeutung der Stumpfpräparation für den Erfolg der Gesamtkonzepts. Bewährt hat sich bei der Herstellung der Sekundärteile das Galvanisieren der Außenteile direkt auf die metallischen Primärteile. Neben einer besonderen Eignung des Materials im Hinblick auf das Reibungs- und Verschleißverhalten wird hierbei den Erfordernissen der Passgenauigkeit Rechnung getragen. Der Patient profitiert von dem spannungsfreien Gleiten und der gleichbleibenden Adhäsion der Doppelkrone.

Über physikalische und werkstoffkundliche Zusammenhänge gerade dieser verlustfreien Haftung informierte Herr Dr. Franz-Josef Faber, Physiker an der Kölner Uni-Zahnklinik.

Die Annahme, dass die Haftkräfte von AGC® Kronen als Sekundärkronen auf der hydraulischen Wirkung des Speichels beruhen, konnte nachgewiesen werden. Eindrucksvoll stellte der Referent die Zusammenhänge von Abzugsgeschwindigkeit, Viskosität und Abzugskraft dar. Im Gegensatz zu Haftungsverlusten auf zirka 50 bis 80 Prozent bei herkömmlichen Teleskopen (bei einer Verweildauer von 10 Jahren ) entsteht bei der hydraulischen Haftwirkung von AGC® Kronen kein Verschleißverlust.

In Abhängigkeit von Okklusalfläche, Spaltbreite und Viskosität des Speichels entsteht ein hydraulisches System mit physikalisch kalkulierbaren Abzugskräften.

Impressionen zahntechnischen Könnens auf Galvanokonstruktionen zeigten andere Referenten. So demonstrierte Zahntechnikermeister Stefan Prindl aus Vöcklarbrunn im Salzkammergut, wie durch den Einsatz der AGC® Technik perfekte Rehabilitationen hergestellt werden können. Die clubeigene fröhliche Fortbildungsatmosphäre erlaubte Moderator Uwe Diedrichs, den passionierten Fliegenfischer Prindl nach seinem Referat mit Angelrute und stilechter Galvanofliege auszustatten und im Tagungssaal zu einer Demonstration seiner Zielsicherheit zu "nötigen".

Allerdings ist für das Zusammenspiel von Funktion und Ästhetik gerade bei Galvano-Doppelkronen eine genaue Planung und gute Zusammenarbeit von Praxis und Labor wichtig. Praxisorientierte Hinweise gab dabei der Vortrag von Vorstandsmitglied ZTM Curd Gadau aus Aschaffenburg. Gadau empfiehlt beim Primärteil generell eine zirkuläre Abstützung zu fräsen. Bei Versorgungen mit mehr als einem Implantat als Pfeiler für die Doppelkronen arbeitet er oberhalb der gefrästen Hohlkehlabstützung die Primärteile konisch. Einer Ungenauigkeit der Pfeilerparallelität durch Verzug beim maschinellen Anziehen der Implantatverschraubung wirkt er dadurch entgegen.

Die Wirtschaftlichkeit beim Einsatz von industriell vorgefertigten Implantataufbauten zeigte er an Praxisfällen mit BioPost-Aufbauten (Wieland Dental + Technik). Diese aus einer Gold-Titan-Legierung hergestellten Mesostrukturen können individuell dem Patientenfall angepasst werden. Die Passung des Implantatpfosten wird nicht durch Gussverzug gestört. Auf die gefrästen Pfosten kann direkt aufgalvanisiert werden.

Die Rolle der temporären Versorgungen in einem galvanoprothetischen Implantatkonzept stellte Vorstandsmitglied Prof. Dr. Walter Lückerath, Universität Bonn, heraus. Unter dem Motto "Der Weg ist das Ziel" stellte er die Bedeutung einer Verbesserung der Qualität der temporären Versorgung dar. Die Umsetzung der Planung im Provisorium dient zur Verständigung zwischen Behandler und Patient. Erst wenn die temporäre Versorgung den Ansprüchen des Patienten und Prothetikers gerecht wird, ist ein Erfolg im Gesamtkonzept gesichert. Im Vortrag gezeigte provisorische Prothesen, die für manchen Betrachter aus dem Auditorium schon wie definitive Versorgungen aussahen, rechtfertigen den finanziellen und zeitlichen Aufwand galvanoprothetischer Implantatversorgungen.

Prof. Lückerath stellte auch eine elegante Möglichkeit der Befestigung provisorischer Prothesen unter Berücksichtigung langer Einheilphasen vor. Dazu werden provisorische Implantate gesetzt, die er ausschließlich für die Befestigung der temporären Prothetik nutzt. Durch ein an den individuellen Wünschen und Möglichkeiten des Patienten orientiertes Provisorium kommt es zu einer Probebehandlung im Sinne der definitiven Planung.

Die Bewährung des Galvanoformings für Doppelkronen und andere teleskopierende Verbindungselemente im zahntechnischen Alltag zeigte der Beitrag von Zahntechnikermeister Matthias Gürtler aus Arnsdorf bei Dresden. Er galvanisiert Sekundärteile von der Teleskop- oder Konuskrone bis zu umfassenden Rillen-Schulter-Fräsungen.

Für potentielle Nachahmer gab der Bericht über den aktuellen Stand in der Dentalfotografie wertvolle Tipps. Zahntechnikermeister Rolf Herrmann, Düsseldorf, stellte die digitale Fotografie in der Zahntechnik vor und spannte den Bogen von seinen ersten Erfahrungen vor immerhin zwölf Jahren (!) bis zu den aktuellsten Photokina-Neuerungen.

Brigitte Weigmann, zahnmedizinische Verwaltungshelferin und Inhaberin eines Berliner Abrechnungs- und Trainingsinstitutes, referierte über die Abrechnung von Galvanoarbeiten als mehrkostenfähige oder reine Privatleistungen. Allein die in den regionalen KZVen unterschiedlichen Empfehlungen erfordern eine differenzierte Verfahrensweise. Für viele Zahntechniker lag das Problem darin, überhaupt Mehrkosten abrechnen zu können oder zu wollen. Zahnärztlicherseits stellt sich die Frage, ob bei einer Mehrkostenvereinbarung nach § 30 SGB V die Höchstgrenze des 2,3fachen GOZ-Faktors in Kauf genommen werden soll oder ob lieber als Wahlleistung nach Muster 1 oder je nach KZV als komplett außervertragliche Privatleistung abgerechnet wird.

Die Samstagsveranstaltung wurde durch eine neue Galvano-Dia-Show von Curd Gadau gekrönt. In typischer Art und Weise ließ er Harley-Lifestyle, Galvanobegeisterung und alpenländisches Lokalkolorit zusammenfließen. Fortbildung darf auch locker und fröhlich sein, ohne deshalb an Gehalt einzubüßen, und sollte schon durch die Wahl des Veranstaltungsortes die Teilnehmer zusätzlich inspirieren. So erwies sich auch unsere 3. Jahrestagung als das besondere, über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Galvanoforum. Alle waren sich am Ende einig: Elmau 2000 ist schwierig zu toppen!

Der nächste Versuch startet in Hamburg: Galvano auf St. Pauli am 20./21. September 2001.

ZTM Antje Wilmerstaedt, Vorstandsmitglied, Magdeburg
ZA Uwe Diedrichs, Neuss

Ihr Ansprechpartner
Dr. Gabriele Diedrichs
Oberärztin / Heinrich-Heine-Universität

diedrichs@med.-uni-duesseldorf.de
 
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AG Galvano Club e.V.