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4. Jahrestagung 2001

4. Jahrestagung: Galvano auf St. Pauli High-End-Metallkeramik mit der AGC Galvanotechnik

Auch mit der Jahrestagung 2001 blieb der AGC® Club seiner Tradition treu, eine außergewöhnliche Fortbildung an einem besonders inspirierenden Ort durchzuführen. Nach dem eher esoterisch angehauchten Rahmen von Schloss Elmau bei Garmisch im Vorjahr, bot das im Herzen von St. Pauli oberhalb der Elbe-Landungsbrücken gelegene Hotel Hafen Hamburg einen harten, aber nicht minder reizvollen Kontrast. Der aus der NDR-Talkshow Herman & Tietjen bekannte Glaskuppelsaal mit einem phantastischen Panorama über den Hafen beherbergte am 21. und 22. September Fachthemen rund um die High-End-Metallkeramik mit Galvano.

Nach der Mitgliederversammlung am Freitag feierte man das Wiedersehen stilecht hanseatisch auf der historischen Windjammer "Rickmer Rickmers". Der Ton bei der schwungvollen Party wurde von der Hamburger Rock´n´Roll-Band "Hangover Brothers" angegeben. Nach Mitternacht konnte noch für die Flussfisch-Dental-Mitarbeiterin Anja Morgenroth ein "Happy Birthday" angestimmt werden und dann ging es ins Bett, denn schließlich wollten alle am Samstag fit sein!

Live-Implantation und P.R.G.F.
Gleich zu Beginn der Fortbildungsprogramms, das von Uwe Diedrichs und Reinhold Brommer kompetent und unterhaltsam moderiert wurde, wartete auf die über 150 Teilnehmer ein besonderer Höhepunkt. Primarius Dr. Friedrich Petz war mit seinem Team aus Kitzbühel angereist und implantierte in einer Hamburger Praxis, aus der der Eingriff live über Satellit in den Tagungssaal übertragen wurde.
Im vorliegenden Fall wurde ein mittlerer Schneidezahn der jungen Patientin rekonstruiert, den diese bei einem Tennisunfall im Alter von 7 Jahren verloren hatte. Im Kindesalter war dieser ausgefallene Zahn replantiert worden, jedoch konnte er im Alter von 17 Jahren aufgrund des mittlerweile erfolgten Knochenabbaus nicht länger erhalten werden. Da beide Nachbarzähne kariesfrei und gesund sind und nicht zur Aufnahme einer festsitzenden Brücke beschliffen werden sollten, stand der Ersatz des verlorenengegangenen Zahnes durch ein Einzelzahnimplantat als Lösung der Wahl zur Verfügung. Dr. Petz platzierte das 3i-Implantat sehr souverän und setzte begleitend das P.R.G.F.-Gerät ein, dessen Funktions- und Wirkprinzipien zuvor von Dr. Reinhold Rathmer, Limburg, erläutert wurde.
Durch den Einsatz des von Wieland vertriebenen P.R.G.F.-Gerätes können aus einer patienteneigenen Probe venösen Blutes innerhalb von zirka 15 Minuten körpereigene Wachstumsfaktoren "zentrifugiert" werden. Diese Wachstumsfaktoren sind Eiweißstrukturen, die die Heilung des Knochens und der Weichgewebe verbessern und beschleunigen. Es kommt zu einer sichereren, komplikationsloseren und schnelleren Heilung von Knochendefekten, Knochenaufbauten (Augmentationen) bzw. Einheilung von Implantaten, wie im live operierten Fall. Nach Abschluss der Operation wurden entsprechende Abformungen genommen, damit parallel zum Tagungsprogramm eine Sofortversorgung des Implantates gefertigt werden konnte.

AGC® speed und IMAGINE®h.e.
Mit der Erstellung dieser Sofortversorgung war ZT Frank Löring, Wuppertal, betraut worden. Während die Abformung zu seinem vorübergehenden Hamburger Arbeitsplatz unterwegs war, erläuterte er die Möglichkeiten, mit dem AGC® Speed-Gerät ein Galvanogerüst in der Minimalzeit von 60 Minuten abzuscheiden. Schritt für Schritt zeigte Löring das weitere Vorgehen bei der Verblendung mit der hochexpandierenden Imagine-Keramik, wobei er als Mitarbeiter bei der Entwicklung dieser Masse so manchen Kniff parat hatte.

Kommunikation und Marketing
Während die implantatgestützte Galvanokrone hergestellt wurde, gab der Vortrag von Prof. Dr. Walter Lückerath, Bonn, Ausblicke auf Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Der Einsatz digitaler Medien verbessert dabei die Austauschmöglichkeiten über Vorstellung, Möglichkeiten und Zwischenergebnisse bei der Versorgung des Patienten. Digitale Foto- oder Video-Aufnahmen sowie verbale Nachrichten stehen "offline" zur Verfügung, das heißt sie sind beliebig oft erneut verfügbar und vor allem dann, wenn diese Informationen bei der Arbeit gebraucht werden. Insofern seien Internet mit eMail und digitale Datenfernübertragung aus einer effektiven Zusammenarbeit nicht mehr wegzudenken, denn insbesondere aufwendigere Behandlungen führten patientenseits zu immer höheren Erwartungen bezüglich des Endergebnisses.
Die kontakarierende Wirkung der staatlichen Eingriffsspirale auf die Fortschritte in der Zahnmedizin veranschaulichte Dr. Gerhard Will aus Lünen. Er verwies auf die Notwendigkeit ökonomische Nischen in der Branche zu entdecken und auf die veränderten Anforderungen , zum Beispiel durch verstärkten Medieneinfluss induzierte Bedürfnisse, zu reagieren und ein eigenes Profil zu entwickeln. Nur so könne der einzelne in Zukunft wirtschaftlich bestehen.

Werkstoffkunde, Verarbeitung und Innovationen
In seinem Vortrag über werkstoffwissenschaftliche Aspekte verdeutlichte Prof. Dr. Heinrich Kappert, Freiburg, die Funktionsgrundlagen galvanokeramischer Restaurationen. Die unterschiedlich festen Werkstoffe Feingold und Keramik funktionieren offenbar aufgrund einer Art mechanischer Pufferwirkung des Galvanogoldes besonders gut. Seine These untermauerte er durch zahlreiche, zum Teil mit anderen Restaurationssystem vergleichende Bruchfestigkeitsprüfungen und REM-Analysen von Prüfkörpern. Die Stärke des Referenten liegt in seiner Fähigkeit zur einfachen Veranschaulichung komplexer Sachverhalte: So bleibt das Bild von der zu zerbeißenden Haselnuss, die die 400N-Bruchfestigkeit symbolisiert, stets gut im Gedächtnis! Mit einem Ausblick auf die Festigkeit von Brückensystemen und auch von auf Galvano aufgepresster Keramik spannte er schon den Bogen zu späteren Referaten von Gadau und Cornelissen.
Einiges dazulernen konnten insbesondere die Zahntechniker unter den Tagungsteilnehmer beim Vortrag von ZTM Curd Gadau. Der "Extremgalvanisierer" aus Aschaffenburg plauderte aus seinem reichen Erfahrungsschatz, ganz nach dem Motto: Wer jetzt gut aufpasst, muss diese Fehler nicht noch selber machen! Der Zuhörer erhielt eine wertvolle Fehlerdemonstration und -analyse, unter anderem zur Badausbeute, Stumpfpositionierung im Gerät, Oberflächenbehandlung von Galvanorohlingen, Bonderauftrag, Herstellung von Galvanobrücken und -teleskopen.
Neue Wege in der Versorgung der Patienten mit schönen Zähnen geht der Zahntechniker Sebastiaan Cornelissen aus Martensdijk mit seiner vorgestellten "Cordent-Krone". Dabei überpresst er einen AGC®-Galvanorohling mit der Ceramay-Presskeramik von Authentic . So erreicht er eine hohe Passgenauigkeit und Kantenfestigkeit trotz einer keramischen Schulter. Mit seinem schön präsentierten, innovationsgeladenen Debutvortrag, den der Schüler von Kurt Reichel zudem nicht in seiner Muttersprache halten konnte, erntete der Holländer viele Sympathien.

Wie ist "schön" schön?
Unter diesen zum Nachdenken anregenden Titel hatte Dr. Gabriele Diedrichs, Düsseldorf, ihren Vortrag gestellt. Eine hervorragende Technologie und biokompatible Materialien allein machen eben noch keine schöne Galvanokrone. Zunächst stellte die Vorstandsvorsitzende des AGC® Clubs anhand von Beispielen aus ihrer langjährigen Erfahrung als Gerichtssachverständige heraus, dass das eigene Ästhetik-Empfinden nicht unbedingt zu einem in den Augen des Patienten schönen Behandlungsergebnis führen muss. So gab sie handfeste Vorgaben für einen gemeinsamen Ästhetik-Check mit dem Patienten. Lässt sich eine prinzipielle Umsetzbarkeit dieser Vorstellungen in einem periorestaurativen Gesamtkonzept feststellen, so sind innerhalb dieses Rahmens bestimmte allgemeine Regeln zu beachten, wobei unser "westlicher Ästhetizismus" streng geometrischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen zu sein scheint - in Stichworten: Proportionierung nach dem goldenen Schnitt, dentofaziale Symmetrie, dento-orale Komposition. Als einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Anfertigung einer solchen schönen, naturgetreuen Restauration stellte Dr. Diedrichs anhand von instruktiven Behandlungsfällen die Betonung des Naturgesunden heraus und eben nicht die Betonung des Naturhässlichen, sozusagen als "hilflose Charakterisierung". In diesem Sinne zitierte sie Casanova: "Schönheit besteht in Harmonie, die immer eng mit Schlichtheit verbunden ist".

Beim großen Finale ging es nun auch darum, ob die seit dem Mittag begonnene galvanokeramische AGC® Speed-Krone schön war, noch größer war allerdings die Spannung, ob sie in so kurzer Zeit überhaupt fertiggestellt werden konnte. Dr. Petz konnte den Bio-Post-Prothetikpfosten einschrauben und die einwandfrei sitzende Krone zementieren. Anschließend ließ er die noch etwas ungläubig schauende Patientin in einen Apfel beißen. Da fiel auch die ganze Anspannung von Frank Löring ab, der für die zahntechnische Herstellung von der Individualiserung des Pfostens über die Galvanisierung bis zur Fertigstellung der Verblendung keine fünf Stunden Zeit zur Verfügung hatte!
Die vom Kitzbüheler Implantologen demonstrierte Behandlung hat sicherlich an die Grenzen dessen geführt, was heute im Rahmen einer implantologisch-prothetischen Behandlung zahnmedizinisch und zahntechnisch möglich ist. Es fehlen bislang aber noch Ergebnisse kontrollierter klinischer Studien, die verlässlich Auskunft über den Grad der Verminderung der Erfolgsquote der Implantat-Einheilung bei Sofortbelastung geben, obwohl die wissenschaftliche Erforschung bereits läuft. Auch wenn die technischen Möglichkeiten zur hochwertigen "Eintages-Versorgung" von Zähnen - oder wie hier einem Implantat - durch das AGC® Speed Galvano-System vorhanden sind, lässt sich diese nur nach detaillierter Vorausplanung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker und zu einem höheren Preis realisieren.

Auch die 4. Jahrestagung des AGC® Clubs darf als ein großer Erfolg bezeichnet werden. Dazu haben nicht nur die erstklassigen Fachvorträge und der außergewöhnliche Tagungsort beigetragen, sondern auch die durch viele Einzelfaktoren "erarbeitete" Atmosphäre der Veranstaltung. So setzten beispielsweise die begeisternden Dia-Shows von ZTM Curd Gadau - zu Beginn mit Erinnerungen an die vergangene Tagung auf Schloss Elmau und Aufnahmen von der Kongress-Vorbereitung aus dem Sommer in Hamburg und zum Ende mit motivierenden Bildern von Galvano in Perfektion - einen sehr stimmungsvollen Rahmen. Und beim Chill-out in der gläsernen Elbkuppel mit phantastischem Blick über den Hamburger Hafen haben sich so manche Teilnehmer schon wieder für das nächste Mal verabredet: am 13.-14. September 2002 am Mondsee im Salzkammergut/Österreich .

ZA Uwe Diedrichs, Neuss ZTM Antje Wilmerstaedt, Magdeburg

Ihr Ansprechpartner
Dr. Gabriele Diedrichs
Oberärztin / Heinrich-Heine-Universität

diedrichs@med.-uni-duesseldorf.de
 
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AG Galvano Club e.V.