5. AGC® Club Jahrestagung diesmal in Österreich Galvanoglanz im Mondseeland Auch für die 5. Jahrestagung hatte der AGC® Club sein in jeder Hinsicht gewohnt hochkarätiges Fortbildungsprogramm an einen attraktiven Ort gelegt. Zum ersten Mal fand es in Österreich, unweit der Kulturmetropole Salzburg, im bezaubernden Mondseeland statt. Das 739 gegründete, altehrwürdige Benediktinerstift am Mondsee ist seit Jahrhunderten Treffpunkt von Geist und Gesellschaft und bot bei strahlender September-Sonne eine prächtige Kulisse für die "Galvanisten". Über 160 Teilnehmer aus sechs Ländern – 20 Teilnehmer waren sogar aus Japan angereist – erlebten die faszinierende Welt des Galvanoformings im freundschaftlichen Kreis des AGC® Clubs. Mit berechtigtem Stolz konnte Dr. Gabriele Diedrichs, die seit der Gründung des AGC® Clubs amtierende Vorstandsvorsitzende, anlässlich des kleinen Jubiläums auf die fünfjährige Entwicklung des Clubs zurückblicken.
Aus dem überschaubaren Kreis von 45 Gründungsmitgliedern ist mittlerweile ein beachtliches, 232-köpfiges Forum entstanden. Nahezu alle Opinion-Leader können dazu gezählt werden und haben sich mit ihren Aktivitäten um die Etablierung des Galvanoformings zur Herstellung von Zahnersatz als eine evidenzbasierte Therapie verdient gemacht. Einer der wichtigsten Schritte in diese Richtung ist sicherlich die von Diedrichs und Setz aktuell verfasste Stellungnahme der DGZMK zum Thema Galvanoforming. Mit seinen bisherigen Jahrestagungen in Baden-Baden, Dresden, Elmau und Hamburg hat der AGC® Club zu den verschiedenen Indikationsbereichen und Verarbeitungstechniken fundierte Standortbestimmungen und Leitlinien geben können. Ferner sind die internationalen Kontakte innerhalb des Clubs und zu Anwenderkreisen in den USA und insbesondere Japan herauszustellen. So referierten ZTM Curd Gadau und Dr. Gabriele Diedrichs im Jahr 2001 auf einer AGC® Veranstaltung in Osaka und im Gegenzug waren drei japanische Referenten kurzfristig in das Programm der diesjährigen Tagung in Mondsee aufgenommen worden. Im zweiten Teil ihres Vortrages demonstrierte die Düsseldorfer Oberärztin mit hervorragenden Fallpräsentationen den "state of the art" in den Indikationen Kronen, Brücken, Teleskoptechnik und Implantatprothetik. Mit einem abschließenden Blick in die Zukunft wies Dr. Diedrichs darauf hin, dass über die bestehenden wissenschaftlichen Absicherungen hinaus verschiedene Projekte angelaufen seien, die sich mit der klinischen Bewährung derzeit lediglich werkstoffwissenschaftlich und durch Fallberichte unterstützter Indikationsbereiche und Fertigungstechniken (z. B. Sinterbrücken, überpresste Galvanogerüste usw.) befassen.
Mastering Galvano-Ceramics Als erster internationaler Referent der Tagung machte ZT Oliviero Turillazzi aus Brescia / Italien in seinem Vortrag deutlich, dass man von Biokompatibilität erst dann sprechen kann, wenn der Zahnersatz viele Jahre im Munde des Patienten verbleibt, ohne nachteilige Veränderungen aufzuweisen. Aus seiner täglichen Arbeit stellte er Patientenfälle vor, bei denen mit der AGC® Galvanotechnik gearbeitet wurde. Er arbeitet seit vielen Jahren sehr intensiv mit einem Zahnarzt interdisziplinär zusammen. Nach gemeinsamer Planung werden die Voraussetzungen für eine ästhetisch sehr ansprechende Versorgung mit der AGC® Galvanotechnik optimiert, wobei auch orthodontische Maßnahmen eine wichtige Rolle spielen können. Herr Turillazzi hob hervor, dass sich durch die Weiterentwicklung der AGC® Galvanotechnik von der Einzelkrone bis heute z. B. der Doppelkronentechnik der Ästhetikeffekt vervielfacht hat. Dazu gehört gleichermaßen die Weiterentwicklung der Keramikmassen des IMAGINE® h.e. Keramiksystems, bei dessen neuem Advanced-Set der Referent maßgeblich beteiligt war. Turillazzi trug den Zuhörern eine Philosophie der ganzheitlichen Zahntechnik vor, die er selbst jeden Tag lebt. Der Vortrag von Dr. Peter Randelzhofer, Amstelveen / Niederlande, und ZTM Rainer Gläser, Freiburg, befasste sich mit der Herstellung natürlicher Seitenzahnrestaurationen im Team. Die beiden Praktiker hinterlegten ihren Vortrag nicht nur mit gelungenen Fallbeispielen, sondern bereiteten das Thema auch aus werkstoffkundlicher Sicht auf. Durch die Möglichkeit bei galvanokeramischen Restaurationen entweder mit feinstem Goldrändchen oder bei entsprechender Präparationstechnik mit keramischen Schultern zu arbeiten, eröffnen sich dem Team Zahnarzt / Zahntechniker mehrere Variationen um ganz individuell und spezifisch auf jeden Patientenfall einzugehen. In diesem Zusammenhang wurde von den Referenten dargelegt, dass es oftmals einen nicht unerheblichen Mehraufwand bedeutet, eine wirklich passende keramische Schulter im Sinterverfahren zu brennen. So wurde die Kombination aus AGC® Galvanogold mit IMAGINE® h.e. Presskeramik vorgestellt. Bei dieser Technik, deren Prinzip schon bei der letzten Jahrestagung in Hamburg von Sebastiaan Cornelissen vorgestellt worden war, wird die eingekürzte AGC® Galvanokappe nach dem Opakerbrand mit IMAGINE® h.e. Presskeramik überpresst und so eine sehr gut passende Keramikschulter gleichzeitig mit dem Dentinkern der Krone hergestellt. Erste werkstoffkundliche Untersuchungen aus der Freiburger Abteilung von Prof. Kappert ergaben ermutigende Festigkeitswerte.
Biokompatibilität Zur Anfertigung und Eingliederung von Zahnersatz in die Mundhöhle wird eine Anzahl von unterschiedlichen Materialien verwendet. Entfacht durch Sensationsberichterstattungen über Legierungsunverträglichkeiten ist ein stetig wachsendes Interesse an der Biokompatibilität von Dentalmaterialien zu verzeichnen. Prof. Dr. Michael Augthun, Zahnarzt und unter anderem Fachexperte bei der Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Medizinprodukten, stellte klar, dass über den Ausschluss von Toxizität, Kanzerogenität und Mutagenität hinaus auch ein niedriges Sensibilisierungspotenzial und eine hohe Biofunktionalität und Biostabilität gewährleistet sein muss. Letzteres setzt voraus, dass vor der Markteinführung neuer Medizinprodukte im Interesse der Patientensicherheit auch eine ausreichend lange klinische Prüfung durchgeführt wird. Neben materialspezifischen Faktoren spielt die werkstoffgerechte Verarbeitung durch Zahnarzt und Zahntechniker eine nicht zu unterschätzende Rolle für die "Unschädlichkeit" des Zahnersatzes.
Galvanotechnik international Wie schon von Frau Dr. Diedrichs zu Beginn der Tagung avisiert, zeigten drei der weitgereisten Teilnehmer aus Japan in brillanten Kurzvorträgen ihr in nur wenigen Monaten erworbenes Können. Kenji Kimura, Kenji Matsuura und Isamu Saito stellten mit diversen multimedialen Effekten Galvanoarbeiten auf natürlichen Zähnen und Implantaten vor. Galvano made in Austria zeigte der "Platzhirsch" ZTM Stefan Prindl aus Vöcklabruck im Salzkammergut. Der Alleinkämpfer holt sich nur für bestimmte Arbeitsschritte ab und zu Hilfe von Außen. Sonst entstehen seine Arbeiten von Beginn bis Ende in seinem Ein-Mann-Labor am Attersee. Allen getreuen Besuchern der Jahrestagungen noch von seinem Vortrag mit Angeleinlage auf Schloss Elmau vor zwei Jahren bekannt, stellte er diesmal den komplexen Fall einer 38jährigen Patientin vor, den er mit der AGC® Galvanotechnik lösen konnte. Der Referent betonte, dass gerade bei Totalsanierungen der Erfolg oder Misserfolg maßgeblich von der Planung bestimmt wird. Hierzu gehören für ihn auch das Wax-up des angestrebten Ergebnisses und eine präprothetische, äquilibrierende Schienentherapie. Nach diesen Vorarbeiten kann die eigentliche Arbeit begonnen werden. An der ausgezeichneten Fotodokumentation des Falles erkannte der Zuschauer sofort, dass hier ein Zahntechniker am Werk ist, der mit viel Liebe zum Beruf und einer großen Portion Enthusiasmus nach dem perfekten Ergebnis strebt.
Galvano-Verbundfestigkeiten Dr. Roland Göbel, Werkstoffwissenschaftler aus der Arbeitsgruppe um Prof. Welker an der Universität Jena, stellte seine experimentellen Untersuchungen zur Verbundfestigkeit von Galvanogold-, Verblend- und Befestigungswerkstoffen vor. Für den Galvano-Keramik-Verbund konnten durch zusätzliche Konditionierungsvarianten keine Festigkeitssteigerungen gegenüber der nur mit 1,5 bar und 110 µm korundgestrahlten Oberfläche erzielt werden. Auch auf den Goldbonder kann somit getrost verzichtet werden. Sowohl für das adhäsive Befestigen als auch das Verblenden mit Kompositen ist der Galvanogold-Kunststoff-Verbund von Interesse. Bei Konditionierung der Goldgerüste mit Siloc, Rocatec und Targis Link wurden nach künstlicher Alterung Scherfestigkeiten von lediglich 10 MPa erreicht. Die Verbundwerte nach Konditionierung mit Alloy Primer und Metal Primer II hingegen blieben mit 25 MPa nach künstlicher Alterung nahezu unverändert hoch. Diese Art der Konditionierung wurde von Dr. Göbel vor der Kompositverblendung bzw. vor dem Befestigen z. B. mit Panavia empfohlen.
Galvano "all around" Das wichtigste Statement von ZTM Klaus Ernst aus Stuttgart, das er vom ersten bis zum letzten Dia belegte: "Die Galvanotechnik ist in der heutigen Zeit die absolut präziseste Methode zur Herstellung von Gerüsten für festsitzende Restaurationen". Der Referent hat mittlerweile so viel Vertrauen in die Galvanotechnik, dass er sich nicht scheut, die Galvano-Brückentechnik auch für weitspannige Lücken einzusetzen. Die wichtigste Voraussetzung für eine gute Arbeit ist die Präparation mit ausreichender Stufe oder Hohlkehle, die durch eine saubere und exakte Abformung für das Labor nutzbar dargestellt wird. Der rote Faden bei den von Ernst gezeigten Arbeiten waren nach der Modellherstellung immer wieder kontrollierende Massnahmen zwischen den einzelnen Arbeitsschritten. Damit die aufzubrennende Keramik ausreichend unterstützt wird, werden Brückenteile oder Höckerspitzen sehr sorgfältig modelliert, in Metall gegossen und mit den Galvanoteilen verbunden. So ist der Langzeiterfolg dieser Restaurationen seiner Meinung nach gesichert. Gespannt hatten die Zuhörer schon auf das Vorstandsmitglied und langjährigenReferenten des AGC® Clubs, ZTM Curd Gadau aus Aschaffenburg, gewartet. Bekannt für seine ausgefeilte und kreative Technik, dargestellt mit herausragenden Fotodokumentationen, präsentierte er auch in diesem Vortrag interessante Arbeiten zum Thema Galvano auf Implantaten. Für Kronen auf Implantatabutments erscheint ihm die AGC® Galvanotechnik inzwischen als ein Muss, da sich hier im Gegensatz zur Gusstechnik einfach und routinemäßig hohe Präzisionen und ein passiver, spannungsfreier Sitz erzielen lassen. Als weiteren Vorteil erläuterte er die Möglichkeit des Vorfabrizierens von Supra-Caps® für konfektionierte Abutments. In manchen Fällen sind die Abutments aber sehr klein und grazil, so dass sie auf die Galvanokappen wie ein Keil wirken. Deshalb werden aus einer Aufbrennlegierung gegossene Teile auf die Käppchen aufgesintert, bevor die keramische Verblendung erfolgt. Bei Verblockungen oder in der Brückentechnik empfiehlt er Pattern-Resin-Splints zur Anprobe im Munde. Bei Diskrepanzen zwischen Modell - und Mundsituation hat der Zahnarzt so die Möglichkeit einer Überabformung über die einzelnen Galvanos. Auf diese Weise liegt bereits in einem frühen Fertigungsstadium eine korrigierte Arbeitsgrundlage mit richtigen Positionierungen vor. Zum Abschluss seines Vortrages stellte er technische Details eines innovativen Verfahrens vor, bei dem Galvanogerüste mit Empress II überpresst werden. Hiermit gestaltet Curd Gadau gerne Verblockungen und kleinere Brücken.
Der besondere Vortrag Prada, Gucci und Versace. Die Feldbusch, der Kanzler, James Bond, Coca Cola und auch der AGC® Club: Marken prägen unsere Welt. Sie definieren unseren persönlichen Lebensstil. Sie schaffen Aufmerksamkeit und Orientierung. Sie erzählen Geschichten und bauen eine Welt, in der wir uns heimisch fühlen. Sie schaffen eine Hülle aus Mythos, Story und Service und sind damit der "added value", der so viele Produkte erst recht interessant macht. Dr. Christian Blümelhuber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing der LMU München, beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema „branding“ und bot mit seinem besonderen Vortrag zur Faszination der Marken viele bislang unbewusste Einblicke. Im Mittelpunkt des "brandings" steht der Kunde, der sich aus den vielfältigen Äußerungen einer Marke sein individuelles Markenbild bastelt, sich über dieses mit dem Unternehmen und anderen Kunden verbunden fühlt und schließlich einen funktionalen und symbolischen Mehrwert erfährt. Das Aufbauen einer offensiven Marke und deren Ausschöpfung ist somit zu einer der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben unserer Zeit geworden. Der AGC® Club hat sich nicht zuletzt auch mit dieser erfolgreichen Tagung in Mondsee als Marke in der Fortbildungslandchaft etabliert. Rund um das interessante Fortbilungsprogramm gab es beim gemeinsamen Wandern, Mountainbiken, in der Mostscheune des Hussenbauern und auch beim Clubabend im Schloss Mondsee wieder reichlich Gelegenheit zum Kennenlernen und kollegialen Austausch mit den Referenten und gleichgesinnten Freunden des Galvanoformings. Lehrreiche Fortbildung kann wirklich auch Spaß machen!
ZA Uwe Diedrichs, Neuss ZTM Petra Bouman, Pforzheim
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