Viele Spitzenleistungen auf der R(h)eingold-TagungDie VI. Jahrestagung unseres Clubs fand am 19. und 20. September 2003 auf dem Petersberg bei Bonn statt und setzte damit die Tradition außergewöhnlicher Tagungen an noch außergewöhnlicheren Orten fort. Das Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland, ein historischer Ort und traditioneller Treffpunkt der Spitzen aus Wirtschaft und Politik, bot ein passendes Ambiente für dentale Höchstleistungen. Diese wurden sodann zu den Tagungsthemen High-end-Prothetik, Spitzentechnologie und Langzeitbewährung galvanischer Restaurationen auch reichlich präsentiert. Der Clubabend mit elegantem Dinner fand in der von Abendsonne durchfluteten Rotunde des Gästehauses statt. Als musikalisches High-light spielte anschließend die Band „Livin Music Family“ fetzig auf und als besondere Überraschung wurde später unter dem Motto „el cielo Cubano“ ein „Ron, Tabacos, Café y Són“-Ausklang offeriert. So ließ es sich mit dampfender Havanna und einem Glas kubanischem Rum in der Hand auf der Terrasse unter sternenklarem rheinischem Himmel schon einmal gut an! Dieser Abend des Wiedersehens mit Freunden und Bekannten aus dem Club bot traditionell beste Gelegenheiten, persönliche Kontakte zu den Gästen und bereits anwesenden Referenten zu knüpfen. Zum Fortbildungsprogramm am Samstag begrüßte das eingespielte Moderatoren-Team Reinhold Brommer und Uwe Diedrichs pünktlich um 9.15 Uhr die über 100 Teilnehmer und stellte – rückblickend auf den Clubabend – ein merkliches Quotendefizit im Clubgefüge fest. Man denkt für die Zukunft laut über den „Direktimport“ tanzbarer Studentinnen nach:-)
Sodann eröffnete die Vorstandsvorsitzende des AGC® Clubs, Dr. Gabriele Diedrichs, die Tagung und konstatierte zufrieden den sich festigenden Trend der Internationa-lisierung des Clubgeschehens. Auditorium und Referenten kamen in diesem Jahr aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Japan und den USA.
Langzeitbewährung Bereits im 12. Jahrhundert war der Petersberg vom einsiedelnden Ritter Walther bewohnt, der hier später ein kleines Kloster gründete. Hierauf anspielend wurde der erste Referent und gewissermaßen Hausherr der Tagung, Prof. Dr. Walter Lückerath aus Bonn, von den langsam „warmlaufenden“ Moderatoren als Ritter Walther aufgerufen. Über sechs Jahre beobachtet Lückerath nun 528 zahn- oder implantatgetragene Galvanorestaurationen, in der überwiegenden Mehrzahl Einzelkronen, bei muskulär hyperaktiven Patienten. Er kann bei seinen in ein striktes funktionstherapeutisches Konzept eingebundenen Bruxismus-Patienten eine bemerkenswert gute Überlebensrate von 96,8 Prozent vorweisen. Im Anschluss an den interessanten Vortrag ergab sich eine rege Diskussion zur Art und Dauer der funktionellen Vorbehandlung, zum Stumpfaufbau, zu der Rolle der Langzeitprovisorien und zur Garantie. Lückerath schloss mit dem Statement, dass zur Qualitäts-Diskussion letztlich auch eine Garantie-Diskussion gehöre. Langzeiterfolge von Restaurationen sind nicht zuletzt auch einem effektiven Prophylaxe-Recall zuzuordnen. Die Auswirkung von verschiedenen Prophylaxe-Instrumenten auf den Rand und die Oberfläche metall-, insbesondere galvanokeramischer Restaurationen, wurde von der Vorstandsvor-sitzenden, Dr. Gabriele Diedrichs aus der Universitätsklinik Düsseldorf, untersucht. Sie demonstrierte an rasterelektronenmikroskopischen Aufnahme-Serien die beeindruckenden Ergebnisse nach einmaliger, 30 Sekunden langer Bearbeitung und nach Simulation von acht Jahren kontinuierlicher professioneller Zahnreinigung: Beim Einsatz von Ultraschall-Scalern kommt es zu schweren Zerrüttungen am Rand und auf der Keramikoberfläche. Graceyküretten sind nur defensiv, Pulverstrahl-Geräte und Kunststoff-Küretten dagegen einigermaßen bedenkenlos einzusetzen. Betretenes Schweigen und wenig später heftige Diskussionen im Saal - Fazit: Nicht den Kronentyp wechseln, sondern das Prophylaxe-Instrument!
REFLEX® auf Galvano Etliche Teilnehmer hatten in der Kaffeepause die für das Rahmen-programm in der Hotelvorfahrt initiierte Ausstellung „50 Jahre Mercedes-Benz SL“ besucht, die so manche nicht dentale Restaurations-Höchstleistung präsentierte. Draußen gab es also jede Menge Mercedes, drinnen aber sogar Ferrari! Eben dieser ZTM Christian Ferrari aus Frankreich und ZTM Jürgen Dieterich aus Winnenden beschäftigten sich mit der auf der IDS neu vorgestellten Verblendkeramik REFLEX®. Das Material ist für Legierungen im WAK-Bereich 13,8 bis 15,1 – also auch für die sogenannten Biolegierungen - und natürlich Galvanogerüste bestens geeignet. Eine sehr schöne Lichtdynamik, eine brennstabile Opazität und die innovative Nanoleuzitstruktur, die zu einer sehr glatten und homogenen, einfach polierbaren Oberfläche führt, zeichnen das Material aus. Die beiden renommierten „Verblendkünstler“ zeigten hervorragende Ergebnisse auf Galvano, die sie interessanterweise bei gleichem Material mit unterschiedlichen Schichttechniken und unterschiedlichem Gerüstdesign (Ferrari: Galvano bis zur Präparationsgrenze; Dieterich: freie Keramikschulter) erreichten.
Galvano international Cuck Maragos, Laborinhaber aus Stillwater/USA, nahm unter dem Thema Esthetics and Economics of AGC® zahlreiche, den Clubmitgliedern prinzipiell nicht neue statistische „Hausbewertungen“ und Wirtschaftlichkeitsberechnungen vor und verdeutlichte, warum er im Rahmen seines P.E.Q.-Modells (Produktivität, Effizienz, Qualität) in nur zwei Jahren über 6000 Galvano-Käppchen sozusagen „am Fließband“ hat produzieren lassen – eine in dieser Form dann doch (noch) ungewohnte Philosophie für deutsche Ohren. Zum „running gag“ der Tagung avancierte sein Versprecher, bei dem er die Präsidentin als „grandmother“ statt wie beabsichtigt huldvoll als „godmother of electroforming“ titulierte. Bereits seit der Tagung auf Schloss Elmau im Jahr 2000 pflegt der AGC® Club den regen Austausch mit den japanischen Anwendern. Diesmal schickte die Delegation aus Fernost das Team Dr. Makoto Shiota und ZT Kenji Matsuura aus Tokio ins Rennen. Sie demonstrierten eine Galvano-Implantatarbeit auf höchstem Niveau. Trotz eines erst kleinen Erfahrungszeitraumes haben die japanischen Galvano-Freaks eine erstaunliche Perfektion entwickelt. Abschließend zeigte Shiota mit Humor die für seinen Vater gefertigte obere Totalprothese mit selbst tragender Galvanobasis, mit der dieser endlich wieder die Kühle des von ihm so geliebten deutschen Bieres ungetrübt genießen könne – Galvano sei Dank!
Ein Ausrufezeichen als Schlusspunkt Galvanotechnik in Perfektion, perfekt fotografiert und unterhaltsam präsentiert - das zeichnet die Vorträge von ZTM Curd Gadau aus Aschaffenburg aus. Sein Beitrag stellte einen gemeinsam mit Frau Dr. Diedrichs gelösten komplexen Patientenfall vor: eine festsitzende Implantatarbeit auf acht keramischen Abutments mit Galvano-Sekundärteilen im zahnlosen Oberkiefer. Die Arbeit entstand Schritt für Schritt auf der Leinwand und jeder Teilnehmer konnte praxisnahe Tipps und zahlreiche Anregungen, insbesondere für die so wichtige Präzision derartiger Konstruktionen, für seine tägliche Arbeit mitnehmen. Beim Finale des Programms wurde es im wahrsten Sinne des Wortes „wüst“! Curd Gadau entführte das begeisterte Publikum mit einer farbenprächtigen Dia-Show in die südalgerische Sahara und leitete nahtlos zum Chill-out in den letzten Sonnenstrahlen des ereignisreichen Tages auf der Außenterrasse des Gästehaus Petersberg über.
Dr. E. W. Nippel und U. Diedrichs
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